Kemtau auf Karten, Rissen, Plänen und Flurkrokis

Gesammelt und zusammengestellt von Rudolf Baumgärtel in den Jahren 1987 – 1989

(2020 von Hans Clauß überarbeitet)

ergänzt durch Thomas Nittel

Dieser Beitrag soll zeigen, wie sich der Ortsteil Kemtau auf den Kartenbildern von etwa 1550 bis 1960 entwickelt hat, und wie er dort dargestellt ist.

Die ältesten Karten mit Kemtau-Bezug

44 Jagtstallungen im Amt Chemnitz von Georg Öder (16.Jhdt.) gezeichnet.

(Original im Rißschrank III, Fach 37, Nr.7b im Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden)

Dieses Blatt enthält nur eine ganz schematische Beschreibung des Ortes mit der Bezeichnung „Das Dorff Kempt“. Es gibt weder einen Maßstab noch die Nordorientierung an und zeigt außer der Bebauung keine weiteren Signaturen.

Auf dieser ersten mir bekannten Karte von Georg Öder d. J. ist als einzige Signatur die Bebauung angegeben. Es sind je 6 Kreise links und rechts eines Bandes, die wohl Gehöfte an einer Straße (einem Weg) darstellen sollen. Trotz der Bezeichnung „Das Dorff Kemt“ stimmt keinesfalls die Lage der Höfe, wie aus späteren Karten hervorgeht, und auch die Anzahl der Siedlerstellen ist nicht richtig, es waren höchstens 7 bis 9.

Marktscheider um 1850 aus: Wikipedia
Marktscheider um 1850 aus: Wikipedia

Georg Öder II. war Marktscheider in Annaberg. Der Markscheider war damals zuständig für die Erfassung, Auswertung und Bereitstellung bergbaubezogener Geoinformationen sowie deren rissliche oder kartografische Darstellung.

Außerdem beschäftigte sich Georg Öder um 1564 bis 1570 mit der  Kartierungen von Jagdstallungen im Erzgebirge. Georg war der Vater des Matthias Öder, sächsischer Landvermesser und Kartograf, der durch die Erste Kursächsische Landesaufnahme berühmt wurde.  Er schuf das erste und für seine Zeit umfangreichste Kartenwerk in Deutschland.

Jagtstallungen im Amt Chemnitz (Blatt 56) um 1550

(Original im Rißschrank XII, Fach 4, Nr. 8)

Die ungefähre Datierung ist möglich durch eine Angabe auf der Skizze „Die Kemter leiten steht Abraham v. Einsiedel zu“, der von 1537 bis mindestens 1555 dieses Gebiet besaß. Die Skizze, ohne Maßstab, ist nach Süden ausgerichtet.

Das Blatt 56 der Karte für Jagtstallungen im Amt Chemnitz ist da schon genauer, zumindest in der Darstellung und Anzahl der Gehöfte. Zwar sind sie als „Dorf Kemmett“ auch hier wieder schematisch als sieben Kreise gezeichnet, und je 3 Rechtecke darin sollen wohl die einzelnen Gebäude angeben. Auch sie stehen allerdings links und rechts eines „Straßenbandes“ und stimmen weder in ihrer Lage zueinander, noch in ihrer Lage und Entfernung zur Zwönitz.

Bei früheren Karten ist auf die Angabe von Straßen und Wegen kein Wert gelegt worden, was mit ihrem Verwendungszweck ohne weiteres zu erklären ist. Bei den Plänen der Jagtstallungen waren die Waldgebiete interessant. Die schematisch gezeichneten Bänder mit den kreisförmigen Gehöften sind keine genauen Straßenangaben, es fehlt ihnen auch die Weiterführung.

Bei den Gewässern und Geländeformen hat es von 1550 bis 1960 sicher die  geringsten Veränderungen ergeben, und das zeigt sich auch im Kartenbild.

Ist auf der ersten Karte des 16. Jh. davon überhaupt nichts verzeichnet, so auf der 2. den Jagdstallungen, aber wenigstens die Zwönitz, hier noch unter dem Namen „Die Kemniz“ angegeben. Sie diente dabei sicher nur als Orientierungshilfe für die möglicherweise ortsfremden Benutzer, die festzustellen hatten, wo Wildzäune aufzustellen waren. Ihr Verlauf ist also nur sehr schematisch dargestellt.

Wälder sind schon auf der Karte für Jagtstallungen im Amt Chemnitz von etwa 1550 angegeben, und das ist ja für eine solche Karte notwendig. Es sind 2 Waldstücke erkennbar. Das eine liegt auf dem rechten Zwönitzhang, hier ist der Wald in einfachen senkrechten Strichen markiert ohne Begrenzung, nordöstlich vom schematisch gezeichneten Ort. Es ist beschriftet mit „Die Kemter leiten steht Abraham v. Einsiedell zu“. Gegenüber auf dem linken  Zwönitzhang ist die Signatur umgekehrt: Es ist nun die Waldgrenze angegeben ohne Waldeinzeichnung, aber mit dem Vermerk „stallung uff der pauern v. Eibenpergk hölzern“. Dazu zeigt die Skizze noch einen „Wilt Zam“ (= Wildzaun), der sich vom linken Hang durchs Tal über die Zwönitz bis auf den rechten Hang hinzieht.

Der Ur-Öder von Mattias Öder und Balthasar Zimmermann

Die Ur-Öder-Karten sind Konzeptkarten der 1. Kursächsischen Landesaufnahme, die Matthias Öder und Balthasar Zimmermann von 1586 bis 1639 betrieben (Öder bis zu seinem Tod 1614).

Auch diese Kopie gibt keinen Maßstab an, ihre Einordnung ist aufgrund des Zwönitzlaufs, der wieder recht genau gezeichnet ist, gut möglich.

Einen Mangel in der Angabe der Bebauung weist auch die Original (Ur)-Öder-Karte um 1600 auf. Da sind die Gehöfte von Kemtau überhaupt nicht angegeben. (Die von Burkhardtsdorf und Einsiedel sind dagegen recht genau als Ansichten gezeichnet, die von Eibenberg und Berbisdorf nur schematisch als Kreise.) Möglicherweise lagen sie außerhalb des Skizzenblattes. Zu sehen sind aber als Ansichtsbilder 2 Mühlen an der Zwönitz, die in Anmerkungen genau benannt sind: „B - die hellmüll ist…(am Heftrand  abgeschnitten) .zu Ehrenfriedersdorf und auch ein brettm.“, das ist die spätere Auen – bzw. Stiefelmühle, und „  C -  ein brettmühl heist die kemeter mühl“, der Vorläufer der Kameruner Anlagen. Aus diesen Anmerkungen geht hervor, dass damals schon die Zwönitz die Grenze zwischen den Kemtauer und Eibenberger Ortsfluren war. Die „hellmüll“ liegt auf dem linken (Eibenberger) Ufer, die „Kemeter mühl“ auf dem rechten. Die Bemerkung „…zu Ehrenfriedersdorf“ zeigt, die Zugehörigkeit zu Eibenberg, das seit 1381 nach Ehrenfriedersdorf „geistliche Dienste“ (Zinsen) erbringen musste. Der Name „hellmüll“ (= Höllenmühle) ist dadurch zu erklären, dass wenige Meter oberhalb der Mühle ein Bachtal an die Zwönitz heranführt, das in seinem unteren Teil „Hölle“ heißt.  Anzunehmen ist, dass beide Mühlen von Anfang an auch Schneidemühlen waren, die „hellmüll“ ist es bis zu ihrem Abbruch 1980 immer geblieben, während die „Kemeter mühl“ im Laufe der Zeit wechselnden Zwecken diente.

Deutsche Fotothek Kartenforum Ur-Öder Bl. 77
Deutsche Fotothek Kartenforum Ur-Öder Bl. 77

Die Karte ist gesüdet, d.h. sie ist seitenverkehrt. Die blaue Linie ist der Verlauf der Zwönitz. Links ist der Bogen von Kamerun zu sehen, in der Mitte Kemtau im Zwönitztal  mit dem Dachsberg (oberhalb der Zwönitz, da auch Nord und Süd vertauscht ist) und rechts folgt Burkhardtsdorf.

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Andere Darstellung auf Bl. 78
Andere Darstellung auf Bl. 78

Das Zwönitztal von Burkhardtsdorf bis Altchemnitz

(Rißschrank III, Fach 37, Nr. 15 e - Konzept zu den Öder-Zimmermann-Karten, gezeichnet von B. Zimmermann um 1615) 

Diese Karte ist deutlich als genauere Ausführung der Öder-Skizze zu erkennen, enthält jedoch die gleichen Eintragungen in etwas größerem Maßstab, im Original 1: 53333

Von dieser Ansicht gibt es noch keine Digitalisierung.

Das nach der Ur-Öder-Skizze angefertigte Konzept zu den Öder-Zimmerman-Karten „Das Zwönitztal von Burkhardtsdorf bis Altchemnitz“ entspricht in allen Angaben dem Ur-Öder, nur sind die Signaturen sorgfältiger ausgeführt, die Gebäude auch in Ansicht, und die Beschriftung nicht mehr in Handschrift, sondern in Kanzleischrift. Bei der „Hellmül“ heißt es: „ist dem Rath zu Ehrenfriedersdorf und…“. Daraus, dass auf dieser Karte die schematischen Darstellungen von Eibenberg und Berbisdorf ganz fehlen, kann man wohl schließen, dass es Öder nur auf die Darstellung  der Besiedlung des Zwönitztales und seiner Hänge ankam. Aus diesem Grunde dürften die vom Fluss ziemlich abgelegenen Gehöfte von Kemtau auf der Karte fehlen. Es fehlt aber auch auf beiden Öder-Karten die Angabe einer Burg auf dem heutigen Burgstein am rechten Zwönitzhang oder ein Hinweis darauf. Damit ist die versuchte Ableitung des Namens Kemtau von der Kamenate einer Burg, die dort gestanden haben soll, nicht gerechtfertigt. (Siehe Beitrag „Der Name Kemtau“).  

In den weiteren Karten hat man die Zwönitz und nun auch andere Gewässer recht genau aufgenommen. Es sind im wesentlichen 3, nämlich die Zwönitz, auf den Krokis die nördliche Flurgrenze, der Höllenbach als südlichste und der Dorfbach.

Auf den Öder-Zimmermann - Rissen ist ihrer Aufgabe entsprechend, die Darstellung des Zwönitztales mit dem Verlauf der Zwönitz gut sichtbar, daran der Mühlgraben für die „Höllmühle“ und einige Nebenbäche von links und rechts. Von links der Zufluss des heutigen Auentalbaches, als „Gründel“ bezeichnet und von rechts der heutige Höllenbach,“flösel“ genannt. 

Diese Gewässernamen der damaligen Zeit sind nur allgemeine Bezeichnungen für kleine Nebenbäche, sie kommen auf den Rissen noch einmal vor, zum Beispiel wird auch der heutige Maigraben „flösel“ genannt.

Am Nordfuß des Dachsberges ist mit einem Strich durch die Zwönitz ein „wehr, wie (wo) des Jägermeisters fischwasser angeht“, eingezeichnet. Merkwürdigerweise fehlt auf beiden Rissen der Dorfbach von Kemtau, der ja nicht kleiner war als die anderen Zuflüsse.

Zwei Berge sind auf beiden Blättern angegeben. Die markanten Felsen des Dachsbergs werden „Ramberg“ genannt und die Höhe auf dem Südosthang des Dorfbachs heißt „Ein birkenknochen - ist dem Richter zu kempa“. Auf der Quadratmeile ist die Zwönitz sehr genau zu erkennen, Anlagen daran wie Mühlgraben oder Wehr aber nicht.

Auf den beiden Öder-Zimmermann-Rissen sind die Waldstücke gleich in Zahl, Form und Örtlichkeit vermerkt. Unterschiede gibt es nur in der Signatur. Auf der Skizze von Öder ist der Wald durch einfache Striche und ohne Grenzen dargestellt, auf der Ausführung von Zimmermann durch helle, laubwaldähnliche Kreise, und hier ist er auch genau abgegrenzt. Die größeren Waldstücke sind benannt, zum Beispiel „Am Ramberk Jochen seufferts gehöltz“ am Südfuss des Dachsberges, gegenüber auf der linken Zwönitzseite

Bauergehöltz“, östlich der Dorfanlage „Ein birkenknochen ist den Richter zu kempa“. Das Stück ist zwar ziemlich klein, fiel aber wahrscheinlich als Birkenwald gegen die sonstigen Fichten, Tannen- und Buchenbestände besonders auf. Das große Waldgebiet an den beiden Zwönitzschleifen zwischen Kemtau und Dittersdorf wird auf der Skizze als „Kemeter wald“, auf der Ausführung als „Der Kemnitzer walt ist Einsiedels“ bezeichnet. Hier wurde also der Name Kemtau mit dem sicher bekannteren Namen Chemnitz verwechselt. Ein kleines Wiesenstück in der etwas verbreiterten Zwönitzaue unterhalb der „kemeter mühl“ wird „kemeter wis“ genannt. Von ihr führt ein Weg durch den Wald nach Südwesten am „Birkenknochen“ vorbei zur Dorfanlage. Auf Eibenberger Flur liegt gegenüber der „kemeter mühl

Matz Roschers holtz“.

Die Menselblätter

Menselblatt der Quadratmeile um das Jahr 1790

Im großen zeitlichen Abstand von 175 Jahren ist dies die nächste zugängliche Karte. Die Blätter sind im Original im Maßstab 1:12000 aufgenommen und weichen in der Nordrichtung um 42 ° nach rechts ab. Ausgeführt wurden sie vom Ingenieurskorps der Sächsischen Armee unter Leitung von Friedrich Ludwig Asten in den Jahren 1781 bis 1806 (siehe „Sächsische Heimatblätter“ 5/81 S. 197 bis 212 mit "Erläuterungen"). Die Kopien sind noch schlechter als das Original, zudem liegt Kemtau genau im Schnittpunkt von vier Einzelblättern, was sich wegen der Randbeschädigungen der Blätter weiterhin sehr ungünstig auswirkt.

Messtisch Quelle: Wikipedia
Messtisch Quelle: Wikipedia

Mensel (lat. Mensula - kleiner Tisch) ist eine frühere Bezeichnung für den Messtisch. Ein Messtisch ist ein (historisches) Arbeitsmittel des Geodäten oder Topografen bei der Geländeaufnahme zur Herstellung von Kataster- bzw. Geländeplänen nach der grafischen/zeichnerischen Methode. Er besteht aus Holz mit genau planarer und verzugsfreier Oberfläche und lässt sich mittels Libelle horizontieren. Die Größe beträgt typischerweise 40 cm × 40 cm – 60 cm × 60 cm. (Wikipedia)

Das Menselblatt weist leider so große Signaturmängel auf, dass die Gehöfte des Ortes nicht eindeutig als solche festzustellen sind. Sollten es die kreisähnlichen Gebilde sein, die um den Ortsnamen „Kemtau“ auf Blatt 242 gruppiert sind, dann sind wieder nur 7 Gehöfte zu erkennen. Am rechten Hang des Dorfbachs zur Zwönitz hin müssten 1790 schon Häusleranwesen gestanden haben, sie sind aber dort nicht zu erkennen. Anders dagegen sind die beiden Mühlen an der hell gehaltenen Zwönitzaue gut festzustellen. Die Höllenmühle jetzt die „Aue-Mühle“ genannt und als „Bret-Mühle“ bezeichnet und im Zwönitzknie die bei Öder „Kemeter Mühle“ genannte, deutlich sichtbar aus 3 Gebäuden bestehende „Spinnmühle und Brettmühle“. Zur Schneidemühle ist also noch vor 1800 eine  Spinnerei dazugekommen, was auch an anderen Mühlen auf- und abwärts im Zwönitztal festzustellen ist.

Generalrisse (Meilenblätter), Freiberger Exemplar, Ausschnitt Kemtau, Quelle: Sächsisches Staatsarchiv
Generalrisse (Meilenblätter), Freiberger Exemplar, Ausschnitt Kemtau, Quelle: Sächsisches Staatsarchiv

In der Deutschen Fotothek sind die "Menselblätter" unter dem Namen Meilenblätter von Sachsen in drei Ausführungen dem Berliner, Freiberger und Dresdner Exemplar zu sehen. Die vier Originalkarten findet man hier: (Blätter 242, 243, 269, 270)

Zum Freiberger Exemplar: Unter dem Begriff Generalrisse wurde ab 1790 eine Sammlung von Karten und Zeichnungen über Maschinen und bauliche Anlagen, geologische, topographische Karten und gezeichnete Unterlagen zum in- und ausländischen Bergbau bezeichnet, die vom Oberbergamt und seinen Nachfolgebehörden zur Erfüllung der Dienstaufgaben geführt wurde. Die Karten wurden im Bergarchiv Freiberg aufbewahrt und heute vom Sächsisches Staatsarchiv als Digitalisat in hoher Auflösung bereitgestellt.

Die Abbildung ist ein Ausschnitt von zwei Meilenblättern im Maßstab 1:12000. Die linke Seite ist aus dem Jahr 1826, die rechte Hälfte von 1822. 

Link zu den Originalkarten im Sächsischen Staatsarchiv:

Die beiden abgebildeten Karten Archivalie 4-I185 und 4-I186

Die beiden südlichen Anschlusskarten unter 4-I212 und 4-I213

Gut zu sehen sind die Bauerngüter im Oberdorf, die Häuser am Hang und die heutige Gelenauer Straße. Im Tal folgt die Aue Mühle und die Brettmühle in Kamerun, die in rot als Spinnfabrik korrigiert wurde. Dieser Vermerk passt genau in die Zeit der Entstehung dieser Karten, denn der Umbau der Brettmühle in eine Spinnfabrik begann 1823, aber diese Geschichte ist einen eigenen Beitrag wert. Die Zwönitz wird als Chemnitzbach bezeichnet. Mehrere alte Flurnamen sind zu erkennen.

Welche Ausgabe Herrn Rudolf Baumgärtel als Basis für die folgende Beschreibung diente, ist mir nicht bekannt.

Bei den Meilenblättern kam es sehr wohl auf die Darstellung der Verkehrswege an, denn auf großen Teilen seiner Blätter sind sie gut und auch differenziert dargestellt. Nur macht leider auch hier wieder das Gebiet um Kemtau eine Ausnahme. Das genaue Ablesen wird vor allem erschwert durch die Kreuzschraffierzeichnung des Bergreliefs und durch einzelne Höhenlinien. Immerhin ist zu erkennen, daß es größere (ausgebaute) Straßen durch und nach Kemtau nicht gegeben hat. Alles was vom Ort ausgeht, können nur Fußwege oder einfache Fahrwege gewesen sein.

Die Straße nach Burkhardtsdorf führte so wie jetzt noch von der Dorfmitte aus links (südlich) am Dachsberg vorbei und verlief so wie heute noch. In den „Erläuterungen“ zu den Menselblättern heißt es dazu: „Von Burkersdorf gehet ein Weg nach Kemptau, ingleichen der Zöppelsteig nach Gelenau, welche beide steinigt und bergig sind"

Zu erkennen sind auch Teile der Straße nach Dittersdorf weit oben auf dem rechten Zwönitzhang, etwa im Verlauf der heutigen Lärchenstraße, die in ihrem letzten Teil von Dittersdorf als „Hofeweg“ bezeichnet wird, weil sie zum Rittergut (Hof) führte, wo die Frondienste zu leisten und Abgaben zu erbringen waren. In den “Erläuterungen“ wird sie so beschrieben: „Der Weg von Dittersdorf durch den Kemptauer Wald bis nach Kemptau geht gut, im Dorfe aber ziemlich steil herunter“. Auch die Straße nach Weißbach hat die gleiche Führung wie heute mit einem sehr steilen Anstieg vom Ort aus, da sie dort mit dem Weg nach Dittersdorf zusammenlief. Nach Gelenau zu gab es 2 Wege, die so angelegt waren, wie wir sie heute noch kennen. Einen von der Weißbacher Straße abzweigend nach Untergelenau, den anderen von den oberen Gehöften westlich am Kemtauer Felsen vorbei nach der Mitte von Gelenau.

Von ihm sagen die „Erläuterungen“ „Ein, auf der dem Dorfe Gelenau links

(nördlich R.B.) liegenden Anhöhe von Kemptau kommender guter Weg, durchkreuzet den erwehnten".(=“Zöpfelsteig“ R.B.) Als Verbindungsweg der „nächsthöheren Stufe“ ist der Eisenweg eingezeichnet.

Nach Eibenberg führten 2 Wege zum oberen und unteren Ortsteil, die beide die Zwönitz an der Auenmühle auf einer Brücke querten. Einen zweiten Übergang gab es dann noch zwönitzabwärts südlich der heutigen Einöde, über die ein Weg von Eibenberg nach Kamerun führte , der dann auf der linken Talseite nach Einsiedel weiterging.

Und wie sah es im Ort selbst aus? Da gab es nur einen Weg am heutigen Hang und in der gleichen Richtung einen nicht genau auszumachenden am Dorfbach entlang zur Mühle und oben im Ort die Verbindungswege zwischen den einzelnen Gehöften. Festzuhalten ist, dass sich noch keine Straße im Zwönitztal findet, sie wurde ja erst 1853 gebaut. Ganz erstaunlich ist, dass in dieser Karte von 1790 schon die Eisenbahnlinie eingezeichnet ist, die erst 1875 entstand, wobei sogar die Bahnhöfe von Einsiedel und Burkhardtsdorf angegeben sind.

(Nach Dr. Groß vom Staatsarchiv Dresden gibt es dazu zwei Erklärungen:

Das hängt damit zusammen, dass auch in späteren Jahren immer noch Eintragungen und Nachträge zur Laufendhaltung bzw. Aktualisierung des Kartenwerks vorgenommen wurden. Oder das Menselblatt hat wahrscheinlich als Vorlage für die Projektierung dieser Bahn gedient.)

Auf der Quadratmeile ist die Zwönitz sehr genau zu erkennen, Anlagen daran wie Mühlgraben oder Wehr aber nicht. Der Höllenbach heißt in seinem mittleren Teil der „Graben“, sein bewaldeter rechter Hang dort „die Leithe“. Der Name „Hölle“ taucht noch nicht auf. Der Dorfbach in Kemtau ist kaum auszumachen. Auf Eibenberger Flur heißt der Bach im Auental „Kuppelbach“ (weil er von einer Kuppe herabkommt?)

Der Dachsberg, er bekommt also hier seinen endgültigen Namen, ist mit einer Höhe von 449 m angegeben, der Kemtauer Felsen - ohne Benennung - mit 591,8(3?) m. Sicher ist er in den „Erläuterungen“ gemeint, wo es heißt:

„…ingleichen die Höhe bey Kemptau machen den höchsten Horizont der Meile aus, dessen  Abhang nach Burkersdorf zu ziemlich steil ist.“ 

Auch für die anderen Kuppen um Kemtau gibt es keine Zeichnungen, doch sind sie durch Bergstriche und sparsame Höhenlinien deutlich als solche zu erkennen. Die „Erläuterungen“ stellen noch fest: „Die von dem Kemptauer Busch gegen den oberen Theil von Weisbach vor Bökmens Feld ist hier die höchste“. Gemeint ist sicher die Höhe 540,5 m östlich vom Kalkofen.  Der Name Burgstein erscheint auf dem Meilenblatt nicht.

Zum Meilenblatt ist allgemein wieder zu sagen, dass durch die Strichelung als Höhendarstellung der eingezeichnete Wald nur schwer ablesbar ist, da als Signaturen dafür baumkronenähnliche Striche dienen. Außerdem fehlt die Angabe der Waldgrenzen. Bewachsen ist der Dachsberg bis zum Dorfbach nach Osten hin, auch der Gegenhang bis an die Eibenberger Felder und weiterhin beide Zwönitzsteilhänge flußabwärts bis nach Einsiedel. Sie bilden damit, wie auch heute noch, ein rechtgroßes Waldgebiet. Auch der Höllenbachgrund, der „Graben“, ist links – und rechtsseitig bewaldet. Dieser Wald zieht sich bis an die bebauten Ackerfluren des oberen Dorfes hin.

Der Kemtauer Felsen war nur in seinem Südteil bewaldet, zum Ort hin aber frei. Einzelne Gehölzstücke innerhalb der Feldflur wie auf den Öder-Zimmermann -Rissen fallen nicht auf. Die Art der Gehölze nennen 2 Eintragungen in den „Erläuterungen“. „Der Kemptauer Wald bestehet aus Fichten, Buchen und Tannen, meistens stark Holtz“, und „das Holz auf der Anhöhe links (nördlich R.B.) Gelenau durch den der Weg nach Burkersdorf und Kemtau gehet, bestehet größtentheils in Fichten“.

Oberreitscher Atlas

Topographischer Atlas des Königreiches Sachsen

(auch Oberreitscher Atlas, Bl. XV Chemnitz, etwa 1820 aufgenommen)

Dieses oft zitierte erste genauere Kartenwerk unseres Landes ist im Maßstab 1:57600 gezeichnet und eingenordet. 

Auch auf der Oberreitschen Karte von 1820 liegt Kemtau wieder sehr ungünstig. Das Gitternetz schneidet den Ort und besonders den oberen Teil mit den Gehöften der Erstbesiedlung. Dazu kommt, dass durch die notwendige Vergrößerung der Dia – Aufnahme (von der Originalkarte) ein nicht sehr scharfes Kartenbild entstanden ist, so dass ich zur Beschreibung meine Notizen von der Betrachtung des Originals im Staatsarchiv Dresden heranziehen muss. Danach gibt es im ursprünglichen Siedlungsteil 9 Gehöfte und am rechten Hang des Dorfbachs nunmehr 9 Häuslergebäude, ihre Anlage ziemlich hoch am Hang wegen der möglichen Überflutungsgefahr des Baches. Auf der unmittelbar neben dem Bach laufenden (Gelenauer ) Straße stehen links 2, rechts 3 und in deren oberen Teil, in der Nähe des ehemaligen Lehngerichts, nochmals 3 Häuser. Noch unter dem gleichen Namen ist die Aumühle angegeben, und in Kamerun ist die Mühle nur noch eine Spinnmühle. 

Topographischer Atlas des Königreichs Sachsen von Jakob Andreas Hermann Oberreit 1836
Topographischer Atlas des Königreichs Sachsen von Jakob Andreas Hermann Oberreit 1836

Auf der Oberreitschen Karte sind die Wege im Ort etwas klarer, hier ist auch deutlich der „Hang“ zu erkennen und die vom Tal aus nach oben bis zum letzten Gehöft durchgehende Dorfstraße, die „Gelenauer“ und ihre Weiterführung als Wegeverbindung am Kemtauer Felsen vorbei nach Gelenau.

Eine Talstraße bzw. Weg am rechten Zwönitzufer ist auch hier nicht zu sehen, wohl aber der Weg auf der Höhe vom oberen Ortsteil zum Rittergut Dittersdorf, der „Hofweg“. Die Bahnlinie fehlt natürlich auch auf dieser Karte.

Zwei Namen des Meilenblattes erscheinen auf dem Oberreitschen Atlas:

Der „Graben“ für das mittlere Höllenbachtal und der „Kuppelbach“ im Auental. Die Zwönitz ist sehr markant gezeichnet, auch der Dorfbach hebt sich ab. Südwestlich vom Lehngericht gab es um 1820 drei größere und drei kleinere Teiche, die wahrscheinlich von den einzelnen Höfen genutzt wurden. Die Berge sind ohne Höhenangaben eingetragen.

Flurkroki (Katasterblatt) von 1835

Dieses nicht genau datierbare Kroki, zwischen 1835 und 1841 als Grundsteuervermessung entstanden, zeigt deutlich die Anlage des Ortes als Quellmuldensiedlung mit Radialhufenflur am oberen Teil des Dorfbachs. Es gibt die Ortsflur im Maßstab 1:9600 wieder und ist wertvoll durch die Genauigkeit seiner Angaben.

Ein sehr genaues Bild gibt erstmals dieses Flurkroki. Noch immer heben sich die 9 Hüfnergehöfte heraus, 3 mit vier Gebäuden, 3 mit dreien, 3 mit zweien. Deutlich ist auch wieder die Ausbreitung der Felder rund um die Quellmulde des Dorfbachs zu erkennen. Ganz erheblich zugenommen hat die Zahl der Häusler und Gärtner. Am Hang sind es 13 geworden, links und rechts der Dorfstraße 24, an der Burkhardtsdorfer Straße einer. Die beiden Mühlen an der Zwönitz sind auf dem Kroki nicht angegeben, da beide außerhalb der Ortsflur liegen.

Die Straßen im Ort sind auf dem Flurkroki von 1835 sehr gut zu erkennen. Hier zeigt sich auch, dass es außer dem Hang und der Dorfstraße jetzt eine Verbindung vom Tal direkt zur Burkhardtdorfer Straße gibt, den heutigen Süd- und Grünen Weg und das „Pfaugässel“. Die Dorfstraße setzt sich nach Südwesten fort in den Weg nach Mittelgelenau, den schon das Meilenblatt zeigte. Als breite Straßen sind die nach Dittersdorf, Untergelenau und Weißbach eingezeichnet. Die Weißbacher Straße ist nicht mehr so steil aufwärtsführend sondern in einer bequemeren Kurve. Weitere Wege können nicht angegeben sein, da das Kroki nur die Ortsflur zeigt.

Auf dem Flurkroki von 1835 sind natürlich Zwönitz und Höllenbach nicht sichtbar, da sie ja die Flurgrenze bilden. Dafür ist der Dorfbach deutlich zu sehen, und auch der Gemeindeteich, den er durchfließt, erkennt man. Geländeformen sind nicht bezeichnet.

Äquidistantenkarte 1835

Topographische Karte vom Königreich Sachsen (Äquidistantenkarte nach Äquidistante für Höhenlinie

(März 1875 – Sektion Burkhardtsdorf)

Dieses im Maßstab 1:25000 gezeichnete Meßtischblatt diente zunächst militärischen Zwecken und war daher ursprünglich „nur für den Dienstgebrauch“ zugelassen. Es gibt vor allem durch die Höhenlinien und weitere Signaturen ein sehr exaktes Bild der Landschaft.

Von den ursprünglich 9 Siedlergehöften sind nur noch 7 vorhanden, dafür gibt es 2 größere Gärtneranwesen, eins am Hang, das andere am Abzweig Gelenauer – Burkhardtsdorfer Straße. Die etwa 50 übrigen Wohngebäude verteilen sich nunmehr auf 3 Straßen, nämlich Hang, Gelenauer und Burkhardtsdorfer Straße, wobei die Bebauung der Gelenauer Straße schon bis zur Talstraße reicht, die der Burkhardtdorfer bis zur Biegung der Straße nach Westen. Dort ist ein großes Gebäude zu erkennen, der Vorläufer der Stumpffabrik von Franz Pfau. Als ein weiteres Fabrikgebäude ist die  Pappenfabrik angegeben, die allerdings schon auf Burkhardtdorfer Flur liegt. Östlich vom Ortskern ist im Walde der Kalkofen verzeichnet.

 Natürlich bestehen weiterhin die Auenmühle und das Werk in Kamerun, das noch Spinnmühle heißt. Daraus entstand später das Zweigwerk einer Dittersdorfer Strupffabrik.

Karte von 1875 Quelle: SLUB
Karte von 1875 Quelle: SLUB

Hier werden im wesentlichen das heutige Straßen- und Wegebild in Anzahl und Verlauf aufgezeigt. Es sind nun auch die Zwönitztalstraße und die Eisenbahnlinie verzeichnet. Deutlich eingezeichnet ist nun auch auf  der Weg durch die „Hölle“, 1875 aber noch nicht als solche bezeichnet. Bei den Gewässern und Geländeformen zeigt die Karte nichts wesentlich Neues. Lediglich sind von den Teichen oberhalb des Lehngerichts nur noch vier vorhanden. Der Dachsberg hat keine Höhenangabe, der Kemtauer Felsen ist noch nicht bewaldet, die Höhe mit 591,8 beziffert.

1875 setzt die genaue Signierung der Waldstücke auf allen Karten ein. Dabei sind die großen Waldstücke an der Zwönitz, nun Kemtauer Wald genannt, und noch immer bis zur Mündung bewaldeten Höllenbach geblieben. Sie stellen deutlich sichtbar die nordwestlichen Ausläufer des Abtwaldes dar. Einzelne Waldstücke, die eist den Abschluss der Hufenstreifen bildeten, existieren noch, auch die bewaldeten felsigen Teile der Feldflur. Der Dachsberg ist 1875 vollkommen bewaldet, der Kemtauer Felsen dagegen frei.

Messtischblatt Nr. 114 Burkhardtsdorf

Dieses Blatt wurde vom Reichsamt für Landesaufnahme herausgegeben, aufgenommen zwischen 1912 und 1920, Maßstab 1:25000. Durch die Dreifarbigkeit – Gewässer blau, Höhenlinien braun, alle anderen Signaturen schwarz – sehr übersichtlich gestaltet.

Gegenüber der Karte von 1875 sind in der Bebauung keine allzu großen Veränderungen in der Anzahl der Gebäude erkennbar. Von den Häusleranwesen ist das am Hang nur noch als Wohnhaus da. Die Anzahl der Wohngebäude ist auf etwa 60 gestiegen, wobei besonders die Burkhardtdorfer und die Gelenauer Straße weiter bebaut wurden.

Im Zuge der noch vor 1900 auch in Kemtau begonnenen Industriealisierung sind inzwischen 5 Fabriken verzeichnet (Pfau, Uhlmann, Förster, Hlawaty und Reinhard). An der Burkhardtdorfer Straße sind die Schule und der Friedhof dazugekommen (1885), aber die Bebauung reicht noch immer nur bis zur Fabrik von Pfau. Die Auenmühle ist ebenso wie die Anlage in Kamerun erhalten geblieben, letztere ohne die alte Bezeichnung „Spinnmühle“, die ja nicht mehr zutraf. Am Kalkofen ist inzwischen noch ein Forstgebäude entstanden.

Deutlich eingezeichnet ist nun auch der Weg durch die „Hölle“, auf dem 1875er Blatt aber noch nicht als solche bezeichnet. Natürlich ist auch der Haltepunkt Eibenberg/Kemtau der Bahnlinie eingetragen.

Von den Teichen oberhalb des Lehngerichts sind nur noch zwei vorhanden. Durch die Höhenlinien (und die Blaufärbung der Gewässer) sind nun die Geländeformen und die Wasserläufe exakt beschrieben. Auf diesem Blatt  ist erstmalig der Kemtauer Felsen als trigonometrischer Punkt festzustellen. Der letzte untere Teil des Höllenbaches und auch der Nordosthang des Dachsbergs sind nun frei von Wald, aber rund um den Kemtauer Felsen ist wieder Wald angepflanzt. Die Zwönitzsteilhänge tragen jetzt den Namen Einsiedel - Kemtauer Wald. 

Digitalisat Messtischblatt 114 Burkhardtsdorf 1910
Digitalisat Messtischblatt 114 Burkhardtsdorf 1910

Topographische Karte Thalheim 5243

Diesem Meßtischblatt im Maßstab 1:25000 fehlt leider die Angabe, wann es letztmalig neu aufgenommen wurde. Doch es muss zwischen 1935 und 1945 erfolgt sein, was an den eingezeichneten Gebäuden und an der Angabe von Eibenberg als Ortsteil von Kemtau festzustellen ist. Da alle Signaturen in einheitlich brauner Färbung wiedergegeben sind, ist dieses Blatt bei weitem nicht so übersichtlich wie das vorherige. 

Das Bebauungsbild des Ortsteils Kemtau, wie es nun exakt heißen muss, ändert sich stärker auf der dieser Karte. Das Ortsbild wird im oberen Teil immer noch von 7 Bauerngehöften bestimmt. Aber als um 1930 die Tätigkeit einer Wohnungsbaugenossenschaft einsetzte, wurde vor allem die Burkhardtdorfer Straße in Richtung Höllenbachbrücke und der von ihr abzweigende Waldweg besiedelt, „Froschgrün“ entstand.

Auch die Bebauung der Talstraße machte Fortschritte und in der „Hölle“ waren 3 Wohnhäuser gebaut, die allerdings zu Burkhardtdorf gehörten.

Auf dem südlichen Höhenrücken errichtete man das Arbeiterturnerheim. Der Bestand an Wohngebäuten war inzwischen auf etwa 100 angewachsen. Sonst gab es keine größeren Veränderungen im Ortsbild.

Nun haben sich einige schmale Waldwege vom Zöpfelsteig nach der Besenschänke in breite Waldstraßen verwandelt, weil dieses Waldstück den faschistischen Kriegsplänen zufolge als militärisches Aufmarschgebiet dienen sollte. 

Die Felsbildungen am Burgstein, Dachsberg und Kemtauer Felsen sind genau eingezeichnet, die Dachsberghöhe mit 450,5 m, die des Kemtauer Felsens mit 591,2 m angegeben.

Topografische Karte 5243 von 1938
Topografische Karte 5243 von 1938

Link zur Originalkarte und eine weitere Karte von 1942

Flurkroki von 1960

Flurkroki (Katasterkarte) von Kemtau mit Ortsteil Eibenberg von 1960

Diese Karte wurde durch den Rat des Kreises, Referat Kataster im Maßstab 1:5000 angefertigt. Die Karte mit Angabe der Flurstücksnummern und der Bebauungsart ist natürlich sehr genau, sie entspricht aber nicht mehr dem heutigen Stand (1988). Entsprechend dem Kartenzweck fehlen die Flurnamen.

Nochmalige grundlegende Veränderungen brachte aber das Ende des faschistischen Krieges 1945 und die darauffolgenden Jahre des Aufbaus, wie dieses Flurkroki zeigt. Einige Gebäude waren 1945 durch Brandbomben zerstört, 2 wurden nicht wieder aufgebaut. (Siehe Beitrag „Kriegs- und Notzeiten“). Noch immer sind auf dem Kartenbild die „Ur“- Gehöfte zu erkennen, aber sie werden seit 1954 nicht mehr von Einzelbauern genutzt, sondern von der LPG 20. Jahrestag der DDR bewirtschaftet, was sich auch in der Zerstörung des Hufenbildes der vorherigen Karten zeigt.

Die Zahl der Fabrikbetriebe ist auf 3 zurückgegangen, einer wurde zum Kirchgemeindehaus umgebaut, dieses wurde am 28. Juli 1957 eingeweiht. Aus der ehemaligen Schule wurde ein Wohnhaus, da 1960 im Ortsteil Neueibenberg eine Zentralschule in einem ehemaligen Fabrikgebäude der Firma Kemter entstand.

Inzwischen hat die weitere Bebauung der Weißbacher Straße begonnen mit 3 weithin sichtbaren vom Forst errichteten Reihenhäusern. Die Zahl der Wohngebäude ist auf fast 150 gestiegen.

Und wie wird das nächste Kartenbild aussehen? Entstände die Karte heute (1988), so würde sich zeigen, dass sich Kemtau zum Siedelgebiet für erholungssuchende Bewohner von Karl-Marx-Stadt gewandelt hat, wozu sicher auch die Erklärung des Einsiedel - Kemtauer Waldes zum Landschaftsschutzgebiet (12. Juli 1968) beigetragen hat. Zwei große Bungalow - Siedlungen sind entstanden, die erste am Kalkofen, eine andere mitten im Ort, östlich der Weißbacher Straße. Und dazu kommen viele Einzelbungalows überall im Ort, wo Grundstücke noch frei waren. Aber auch der Eigenheimbau hat nach 1960 eingesetzt. Das neue Kartenbild wird eine ausgefüllte Kemtauer Ortsflur zeigen.

Das Katasterblatt von 1960 bietet weiterhin das gleiche Waldbild. Die Signaturen weisen darauf hin, dass die (ehemaligen) Bauerngehölze auch Laubbäume enthalten, während die Teile der großen Forsten als fast durchgängig mit Nadelholz (Fichten) bewachsen dargestellt sind.     

Leider gibt es kein Digitalisat dieses Katasterblattes.